Strandgedanken

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Hier liege ich also und bin neu. Oder anders. Eine andere Version von Stina. “Neu” hört sich gut an. Also: Neu. Eine neue Stina.

    Ich liege am Strand und spüre den warmen Sand durch die dünne Decke. Der Wind wird kühl, aber ich weigere mich aufzustehen. Was mich an diesem Abend erwartet ist alles andere als unangenehm. Ein gutes Essen, eine warme Dusche und ein Abend vor dem Kamin. Mit Buch oder Netflix oder Sex. Oder alles zusammen. Vielleicht auch nacheinander.

    “Aufstehen! Du frierst!”
    Therèse sitzt neben mir, in ihre durchscheinender Strandrobe gehüllt. Sie lebt französische Clichés ohne Scham.
    “Die Sonne ist noch warm!” Ich protestiere.

    Es ist unser letzter Tag zu zweit. Morgen kommen Freundinnen. Drei an der Zahl. Es wird lebhaft und lustig, ich mag das. Aber da ist auch Wehmut. Fast zwei Wochen gab es nur uns beide. Seitdem ich meine letzte lange Beziehung in Stockholm hinter mir gelassen hab, hab ich nicht mehr so intensiv zusammen mit einem anderen Menschen existiert. Die damalige Beziehung hatte mich eines besseren belehrt. Sie war toxisch. Aber so aufregend, dass ich noch heute manchmal von ihr Träume.

    “Wir machen uns einen letzten ruhigen Abend zusammen” sagt Therèse, die meine Gedanken zu lesen scheint. Sie nimmt eine Hand voll Sand und lässt ihn langsam über meinen Rücken rieseln. Der Sand ist warm und weich und angenehm, weil er eben noch von Therèse berührt worden ist. Ich atme tief ein, spüre den rieselnden Sand entlang meiner Wirbelsäule.
    “Ich freu mich, dass die Anderen morgen kommen” versichere ich.
    “Es wird aufregend!” sagt Therèse und nimmt eine weitere Handvoll Sand.
    “Keine zu großen Erwartungen, mon minou!”

    Therèse weiß von meinem Blog. Dem Blog, den es momentan nicht mehr gibt. Es war mir wichtig ihr davon zu erzählen, bevor es ernst zwischen uns werden konnte. Nicht allein deshalb, weil sie schon früh Teil einiger Einträge war. Sondern weil es sich für mich sonst so anfühlen würde, als wäre ich ihr untreu.

    Unsere Beziehung geht schon eine Weile. Nach wenigen Wochen habe ich ihr geschworen, Französisch zu lernen und sie mir, dass sie Deutsch lernen wird. Beides ist (noch) nicht geschehen. Wir sprechen miteinander fast ausschließlich Englisch. Es funktioniert und vielleicht sollten wir das nicht ändern. Es entkoppelt unser gemeinsames Leben von unseren vorigen Leben.

    Das bedeutet aber auch, dass ich ihr meine Blogbeiträge übersetzen musste. Und weil ich das nicht schriftlich machen wollte, habe ich sie einen nach dem anderen gelesen und ihr währenddessen auf Englisch nacherzählt. Dabei habe ich einige kleine Änderungen vorgenommen. Wenn mir eine Formulierung fehlte oder wenn mich meine Scham gepackt hat. Ja, das gibt es, man mag es nicht glauben. Meine eigenen Blogtexte lassen mich manchmal rot werden.

    “Wenn deine Freundinnen kommen wird es bestimmt spaßig” hat Therèse mehr als einmal gesagt.
    “Erwarte nicht zu viel” war genau so oft meine Antwort.
    “Das wird wie in deinem Blog. Alle nackig in eine Reihe und dann wird es wild!” Und dann hat sie über mein errötetes Gesicht gelacht. Dabei liegt sich nicht falsch. Wenn man zu viele meiner Blogbeiträge hintereinander liest, könnte man denken, mein Leben wäre eine einzige Orgie mit vielen, glühenden Popos.

    “Ich bin sehr neugierig auf die besten Freundinnen meiner Frau” sagt Therèse diesmal.
    Der feine Sand rieselt weiter auf meine Haut, weiter meine Wirbelsäule hinab. Noch weiter.
    “Ey!” protestiere ich halbherzig “stop!”
    “Knirscht es schon zwischen deinen Backen?” fragt Therèse in ihrer unnachahmlich taktlosen Art.
    “Wenn du mich so dazu überreden willst mir was anzuziehen und aufzustehen, wirst du enttäuscht!” gebe ich zur Antwort.
    Therèse lacht und ihre flache, sandige Hand klatscht auf meinen Po. “Ich hab eine bessere Idee….”

    Kurz darauf machen wir das, was wir schon zu Anfang unseres Urlaubs gemacht haben, als wir abends den Strand fast für uns hatten: wir laufen entlang der kleinen Wellen, die über den glatten Sand lecken. Die Füße mal im Wasser, mal am Land. Wir sind zu zweit. Frei. Nackt. Im kühlen Wind. Therèse watet ein Stück in in die Wellen. Das Wasser umspült ihre schönen Beine, müht sich über ihre Oberschenkel zu streicheln, während sie - ganz Französin - eine Zigarette zwischen den Fingerspitzen hält und hinaus auf das Meer sieht.

    Als ich diesen Beitrag begonnen habe, war mein Plan, über eine Spankingszene zwischen uns zu schreiben. Das bin ich denen schuldig, die immer noch meine Texte lesen, obwohl ich meinen Blog einfach so und ohne Kommentar aus dem Netz genommen habe. Und ich bin mir sicher, ihr werdet von solchen Texten von mir auch in Zukunft nicht verschont bleiben. Aber dieser Beitrag ist eine Standortbestimmung für mich. Das musste raus.
    Gestalten1

    Über den Autor

    - Stina

    698 mal gelesen

Kommentare 1

  • Nelly -

    Und DAS "Aber dieser Beitrag ist eine Standortbestimmung für mich. Das musste raus" ist auch gut so - mir gefällt es ... Zudem sollte man sich immer selbst treu sein, auf sein Herz, Bauch und Kopf hören und sich nicht von Anderen verbiegen lassen.
    *Daumen hoch*
    Lieben Gruß *Nelly*