Test Konsequente Erziehung, Tag 5

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  • Test Konsequente Erziehung
    5. Tag

    Freitag, 10.2.2017

    Habe heute die Vorschriften wieder penibel eingehalten, so kam kein weiterer Strafpunkt hinzu.
    Hatte zwar Angst vor der Waage, da gestern relativ viel gegessen. Doch mein Gewicht ist heute wieder auf 73,3 kg, also gar kein Problem! Der Stress von der strengen Disziplin dürfte meinen Verbrauch ankurbeln...

    Nach meiner heutigen Meldung beim Programm (wieder ohne Verfehlung) beende ich den Test und den Bericht von "Konsequente Erziehung".

    Ob ich dann doch noch weitermache? Dazu weiter unten...

    Ich wurde gefragt, wie es mir geht und ging...


    Wie ist es mir ergangen
    Für mich waren diese 5 Test-Tage ein fast ständiger Nervenkitzel, durchsetzt mit Angst, Lust und Frust.

    Insgesamt hat mich das Szenario an Filme mit Internatszöglingen erinnert, denen man deutlich ansieht, dass sie bereits an strenge Disziplin gewöhnt wurden.
    Also nicht unbedingt ein Bild, das man mit Spaß verbindet.
    Ich habe das Programm als sehr eng empfunden und nur zum kleinen Teil wie ein Spiel.
    Doch ist ja Vieles einstellbar, und so kann man sicher auch harmlose Varianten finden: Man kann ja die Regeln verändern, die Strafen, die Texte, man kann einstellen, wie viele Punkte einem nach x Tagen ohne Fehler erlassen werden, wählen, ab wie vielen Strafpunkten die Einweisung in das angeblich noch unangenehmere System "Strenge Zucht" empfohlen wird, ob man sich täglich melden muss und etliches mehr.

    Falls man das Programm als (kurzzeitiges) Spiel verwenden will, gibt es weitere Möglichkeiten, die ich nicht ausprobiert, sondern nur im Handbuch nachgelesen habe:
    • "Strafe ja oder nein" lässt das Programm entscheiden, ob eine Strafe verhängt wird oder nicht
    • Extrastrafe kann auch zur Definition längerer Sessions ("Strafnachmittag") verwendet werden, wo eine zufällig gewählte Abfolge von Texten, Strafen und Gehorsamsübungen ablaufen. Eine solche Session ist als Muster bereits vorbereitet (ist aber im Handbuch ziemlich kompliziert beschrieben):



    Für die Verwendung als echtes Disziplinsystem gibt es zusätzliche Funktionen:
    • "Schweres Vergehen", wofür 3 Strafpunkte und eine dreifache, harte Strafe mit dem Paddel, eine Einschränkung (zB Internetverbot) und eine Geldstrafe verhängt wird.
    • "Strafe ja oder nein" lässt das Programm entscheiden, ob eine Strafe verhängt wird oder nicht.
    • "Extrastrafen" für spezielle Delikte (auch selbst definierbar), zB Lügen,..., wobei auch eine zufällige Wahl der Strafhöhe möglich ist.


    Was habe ich aus dem Test gelernt

    1. Ich habe mich selbst wieder ein Stückchen besser kennen gelernt. Verschiedene Anteile meines Ichs, Gedanken, Gefühle, Reaktionen.

    2. Jede neue Regel erzeugt Stress. Meist ist eine Vorschrift ja damit verbunden, Zeit dafür reservieren zu müssen, (Um-)Planungen durchzuführen und (gewohnte) Abläufe zu ändern. Dabei kommt so manches durcheinander und muss neu geordnet werden.
    Regeln sollten deshalb vorab sehr gut überlegt werden, denn auch jede später notwendig werdende Regeländerung bewirkt wieder eine neuerliche Umstellung und eine beträchtliche Störung in Gewöhnung und Automatisierung.

    3. Es dauert jedenfalls viel länger als die 5 Tage meiner Testphase, um neue Gewohnheiten aufzubauen. Die ersten 2 Tage waren am härtesten. Danach wird es deutlich leichter, doch ist der neue Ablauf natürlich noch lange nicht zur Selbstverständlichkeit geworden. Ich denke, dass dieser Vorgang wohl etliche Wochen benötigt. Wenn man zu früh abbricht, wird man ganz sicher in die alten Gewohnheiten zurückfallen.
    Die Regeln, die bereits automatisiert sind, werden nicht mehr als besondere Belastung empfunden. Deshalb können sie dann auch bleiben...

    4. Gewichtsreduktion: Man sollte, wenn man das Gewicht in z.B. Halbkilo-Stufen abbauen will, den Zeitraum gut überlegen, wann man die Grenze herabsetzt. Am Montag (nach einem üppigen Wochenende) eine Reduktion zu verordnen, erscheint mir als unnötige Grausamkeit. Außer natürlich, es ist eine gewollte Härte... :D

    5. Ich habe auf dieses Disziplinsystem sehr gut angesprochen. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen Regeln festzulegen, die einem selbst nützen. "Erziehung" ist ja niemals "angenehm" - doch wenn sie nützlich ist...

    6. Ich finde, die angedrohte Erhöhung der Strafe mit jedem Vergehen war für mich besonders Furcht einflößend. Ich hatte die Befürchtung, gleich zu Beginn "zu sammeln" und in einen Bereich unerträglicher Strafen zu geraten. Und man bekommt die Punkte dann ja kaum wieder weg: Eine Reduktion (und die nur um 2 Punkte) ist ja erst nach 7 Tagen ohne Vergehen voreingestellt.

    7. Das Sexverbot ab einer Verfehlung bis 48 Stunden nach Ende der Strafe ist durch die ununterbrochene Kette an Perioden mittlerweile nicht nur unangenehm sondern richtig schlimm und inzwischen bereits der härtere Teil der Strafe!
    Diese erzwungene Abstinenz ist als Zwangsmaßnahme durchaus wirkungsvoll, und um entsprechend Druck aufzubauen, könnte man in den Regeln deshalb sogar auch noch festlegen, dass jede Übertretung dieser Beschränkung als "Schwere Verfehlung" zu bestrafen ist.
    Doch kann man sie in den Regeln ja auch ganz "wegdefinieren".
    Jedenfalls ein wirklich armer Teufel, wer zwangsweise in einem Keuschheitsgürtel steckt!

    8. Ich kann mich sehr gut in ein Kopfkino einstimmen, wo ich "weiß",
    • meine Erzieherin beobachtet mich und erkennt jede Übertretung;
    • sie sieht mir beim Eintragen von Verfehlungen über die Schulter, und falls ich etwas verschweige oder beschönige, erhalte ich zusätzlich eine "Schwere Verfehlung" verpasst;
    • außerdem überwacht sie meine Selbstbestrafung, erkennt jede zu lasche Ausführung und verordnet dafür eine sofortige Wiederholung der Strafe.
    Für mich ist diese Fantasie ein wesentlicher Teil des Spaß-Faktors, selbst bei der ernsten Anwendung.

    Doch ist diese Fähigkeit sicher individuell sehr verschieden ausgeprägt. Wer sich auf solch ein Kopfkino nicht einlassen kann, wird an dem Programm wohl wenig oder gar keine Freude haben.


    Fazit

    Die Umstellung auf einige neue Gewohnheiten ist bei mir recht gut angelaufen, und ich habe durchaus ein Interesse daran, diese bereits erzielten Verbesserungen nicht wieder aufzugeben. Deshalb werde ich das Programm weiter benutzen, doch mit Anpassungen:
    • Die neuen Regeln haben sich bewährt und bleiben (Training, Belege, Klavier). Alle Regeln und Einstellungen werden jeweils am 1. jedes Monats überprüft und bei Bedarf angepasst:
      - Wie gut passen die Regeln (noch);
      - wie wirksam sind die Strafen;
      - wie weit erscheinen neue Anforderungen sinnvoll.
    • Die Meldezeit bleibt weiterhin flexibel.
    • Eine Gewichtsreduktion erfolgt jeweils beginnend mit Donnerstag. Das neue Gewichtslimit von 73,5 kg wird deshalb nächste Woche von Montag auf Donnerstag verlegt. Eine nächste Verringerung auf 73 kg (geplanter Endpunkt) wird für KW7 festgelegt.
    • Erleichterungen:
      • Ein Sexverbot wird nur verhängt, falls an diesem Tag mehr als ein Delikt begangen wurde. Die verordnete Abstinenz wird dann jeweils als "Extrastrafe" im Strafbuch eingetragen. Eine Übertretung davon wird als normales Delikt behandelt.
        Bereits verhängte Strafen sind davon nicht betroffen: Das schon ausgesprochene Sexverbot bis morgen Mittag bleibt aufrecht.
      • Bereits bei 3 Tagen ohne Verfehlung erfolgt eine Reduktion der Strafpunkte um 2 Punkte.

    Zusammenfassung

    Das Programm "Konsequente Erziehung" hält durchaus, was es verspricht:
    Es erzieht so konsequent, wie man es bald nicht mehr "fühlen" möchte.
    Oder vielleicht ja doch? ;)
    _

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    1.424 mal gelesen

Kommentare 3

  • hennes51 -

    Bin froh,dass du das auch so siehst, hat aber seinen Reiz und ich werde es mit Sicherheit noch einige Zeit weiterspielen. Hat zumindest schon für einige Striemen und blaue Flecken gesorgt und das Höschen musste ich auch täglich wechseln - irgendwie richtig schön.

  • Yolandi -

    Man merkt: Du warst voll dabei. Super Abschussbericht.

    Sich auf etwas einlassen zu können ist bei allem was wir tun wohl das Entscheidene.

    Bei Kindern ist übrigens frühestens nach zwei Wochen eine erste Veränderungen zu erwarten, wenn der Alltag zielgerichtet umstrukturiert wird. Erwachsene brauchen sicher noch länger bis sich etwas anfängt zu manifestieren.

    Was mich interessiert: das Sexverbot scheint dich beeindruckt zu haben. Weil du da einen gewissen Regelbedarf hast; oder weil du wusstest du darfst nicht. ?

    Super der Durchführung. Bin erstaunt :)

    • Christian -

      Wer sich beim Aufbau von Triebspannung normalerweise entsprechend befriedigen kann, wird durch eine solche Beschränkung zunehmend Unlust verspüren. Der Druck wird einfach sehr unangenehm! :(

      Freud (de.wikipedia.org/wiki/Triebtheorie): "... Auslöser ist also ein interner Reiz, der eine gewisse als unangenehm empfundene Triebspannung weckt. Diese Spannung weckt den Wunsch nach ihrer Verminderung durch Befriedigung am Triebziel, meist dem Objekt.
      Für diese Aufgabe stellt der Trieb einen gewissen Energiebetrag bereit. Hierbei ist wichtig, dass der Mensch dem Triebreiz als einem inneren Reiz nicht, wie meist einem äußeren Reiz, ausweichen kann. Er kann deshalb der Triebspannung nicht entgehen, ohne den Trieb zu befriedigen, wenngleich er die Triebbefriedigung eine Zeit lang aufschieben kann. Je länger der Aufschub, desto größer wird die aversive Spannung und der Wunsch nach Triebbefriedigung..."