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Sade . Nach dem Mann, der sich aus Lust peitschen ließ, aber auch seien Finger in die Wunden der Zeit legte, wurde der „Sadismus“ ebenso benannt wie die Möglichkeit, sadistisch handeln zu können. Dieses „Privileg“ genießt in der Literatur bestenfalls noch der Ritter von Sacher-Masoch, dem der rechthaberische Freiherr und Irrenarzt von Krafft-Ebing gegen dessen Willen damit bedachte. So stehen sie also heute da: „de Sade“ als perverse Schreckgestalt, „Sacher-Masoch“ als Mann mit der milden Macke des Masochismus – wie kann man sich auch von einer Frau versklaven lassen?


Nachdem jeder deutsche Klippschüler glaubt, den Marquis als Höllenritter der Perversion ablegen zu können, wird oft vergessen, dass dieser Mann in allererster Linie als Schriftsteller in die Geschichte einging, und dazu als ein kritischer Freigeist, der Grenzen sprengte.

Lernen vom Marquis

Wir können aus seinen Schriften viel über die Zeit lernen: was bei Hofe gesagt wurde, wie die einfachen Leute dachten, und vor allem, was von Klerus zu halten war. Auch mit der „Keuschheit“ der Frauen war es nicht weit her. Frauen, so hieß es, liebten nicht mehr mit dem Herzen, sondern mit dem Kopfe, und über Ihre Geilheit wollet man wissen, dass sie über eine betont farbenreiche sexuelle Fantasie verfügten. Waren sie über 30, so wird behauptet, so hatten sie endgültige „den Rest ihres Schamgefühls verloren“, und sie „genossen den Verlust ihres guten Rufes.“
Sicher, wir können heute nicht mehr im Stil des Marquis schreiben. Aber wir können wahrhaftig einmal darüber nachdenke, dass die Moralisten immer noch die Kulturhoheit haben und als solche als Gedankenpolizei über das wachen, was wir lesen sollten und was besser nicht.

Der Kampf gegen die Gutmenschen-Moral ist noch nicht vorbei

Die um sich greifende Edelmoral, die sich in „sozialer Korrektheit“ manifestiert, ist von ähnlicher Verlogenheit wie das, was zu Zeiten des Marquis öffentlich als moralisch erträglich gehandelt wurde. Es wäre an der Zeit, sie wenigstens literarisch als das zu entlarven, was sie ist: ein Lügengebäude des Spießbürgertums.

Zitate aus "Justine" , weitere Informationen aus Dühren, Eugen: Der Marquis de Sade und seine Zeit"
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