Rohrstock - auf die Hände oder den Hintern?

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    Es gibt 79 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von roland_1952.

    • Unvergesslicher Moment: 1948, Religionsunterricht in der Volksschule, kleineres Dorf im Landkreis STA. Der Pfarrer macht seinem Unmut Luft über das schlechte Betragen der Meßdiener beim Gottesdienst am letzten Sonntag. Er schickt den Erich W. und mich zum nahegelegenen Pfarrhaus mit dem Auftrag, wir sollten bei der Theres (seiner Haushälterin) abholen "was sie für uns hergerichtet hat". Wir kamen nach ein paar Minuten mit einem veritablen Rohrstock zurück. Den bekamen dann nicht der Erich oder ich, sondern zwei andere Meßdiener (Ministranten), die ziemlich neu dabei waren. Schleicht sich der eine wehklagend zurück in seine Bank, sagt, er möchte nicht mehr Ministrant sein. Sagt der Pfarrer, ein bayerisches Original: "Grad recht, schon wieder an Lumpen weniger am Altar."
      Diese Unbekümmertheit im Umgang mit den Erziehungshelfern können sich die Jüngerne wohl nicht vorstellen. Wir fanden nichts dabei.
    • Hallo Anyarah,
      als Lehrer auch für schwierige Kinder gebe dir Recht, dass vieles im Argen liegt und das wir uns mal über Benimm-/Anstands- und Umgangsregeln unterhalten müssen. Nichts liegt mir ferner als laissez-faire. Vieles wird in der Gesellschaft und auch in der Schule schöngeredet. Im Gegenteil bin ich Anhänger der Konfrontatriven Pädagogik für wirklich dissoziale Schüler*innen. Für weitere Informationen guckst du z.B. hier:
      Konfrontative Erziehung/IKD
      Sicher ist ein 'Klaps' etwas anderes als eine Erziehung mit dem Rohrstock, die Verhaltensmodifikation mit Schmerzstimuli und Vermeidungsverhalten mit all seinen schlimmen Konsequenz erreichen will. (Schwere Straftat).

      Aber auch der 'Klaps' ist nicht zielführend, da auch er das Recht auf körperliche Unversehrtheit auch von Kindern verletzt. In der Konfrontativen Pädagogik gibt es daher das 'non-touch Verbot'. Also wenn einem mal die Hand ausrutscht, sollte dies niemals vorsätzlich geschehen. Ich habe mich IMMER bei meinen Kindern dafür entschuldigt und es ist auch nur sehr, sehr selten in Momenten der Unbeherschtheit passiert.

      Sicher ist, dass eine nicht unerheblicher Anteil von Eltern ihre Erziehungsaufgabe, die eben mühsam ist, vernachlässigen, sich mit ihren Kindern in symbiotischen Beziehungen befinden. Kinder sind eben nicht unsere Freunde, sondern wir sind Mutter und Vater. Nichts liebt man aber so sehr, wie seine Kinder. Für sie gibt man notfalls sein Leben. Du wirst es erfahren, wenn du selbst Kinder bekommst. Erziehung ist eben auch Arbeit und kann leider, wenn auch selten, misslingen! Dann sind eben z.B. päd. Maßnahmen wie o.g. nötig oder auch Polizei, Justiz und Sozialarbeit.

      Der Mensch sollte auf physische Einwirkung in der Erziehung auch deshalb verzichten, weil er lernen sollte, auf physische Gewalt zu verzichten, die am Ende zu Massenvernichtungswaffen führt. Konflikt sollten also anders gelöst, notwendige Sanktionen nicht physisch sein. Auch wenn das mühsamer ist.

      Zudem achten Päödagogen in Kita und Schule natürlich soweit als möglich darauf, dass Kinder nicht körperlich misshandelt werden. Hier ist ein Gespräch mit den Eltern und ggf. dem Jugendamt notwendig.

      ErziehungsSPIEL muss IMMER SSC (safe-sane-consensual) sein. Egal welcher Spielart man sich hingeben möchte. Und im Spiel bin ich, aktiv wie passiv kein Kind von Traurigkeit.... :böser Blick:
      Well, I was born to have adventure..... (Zappa)
    • Anyarah schrieb:

      Na ja, Jungs, wenn ihr lest, dann müsst ihr das schon genau und voll umfänglich machen. ;)

      Ich habe in meinem Beitrag zwar geschrieben, dass ich eine Befürworterin bin - allerdings habe ich auch geschrieben, dass sich jedes Kind von allen anderen unterscheidet.
      Ergo bedeutet das, dass das eine Kind evtl. in vollem Bewusstsein provoziert, Sachen klaut, sich prügelt oder sonstwas und einfach auf alle Regeln "scheißt" und demnach mehr bzw. strengere Erziehung braucht, als ein anderes Kind, das 'mal Mist baut, dem man es am Anfang noch im Guten erklärt (womit man in jedem Fall IMMER beginnen sollte; das hab'ich nie bestritten), und das es dann versteht und auch nicht nochmal macht.
      Das jedes Kind einzigartig ist und es nicht die eine "richtige" Erziehung gibt, dabei sind wir uns einig. Natürlich brauchen manche Kinder eine "strengere" Erziehung, aber man kann auch streng sein ohne das Kind zu schlagen. Und wenn man an dem Punkt angekommen ist, an dem das Kind "Sachen klaut, sich prügelt oder sonstwas und einfach auf alle Regeln "scheißt" " liegt irgendetwas im Argen, dass sich selbst wenn man eine prinzipielle Wirksamkeit von Schlägen annimmt mit diesen auch nicht mehr lösen lässt. Gerade wenn das Kind selbst durch Gewältätigkeit auffällt sehe ich nicht, wie sich das durch Gewalt seitens der Eltern beheben lassen soll. Aber ich habe tatsächlich Eltern erlebt, die als Reaktion darauf, dass ihr Kind ein anderes geschlagen hat. ihr Kind schlagen und dazu etwas nachdem Motto: "Es ist nicht in Ordnung andere zu schlagen!" sagen ...

      Anyarah schrieb:

      Ich habe damit nie gesagt, dass ich dafür bin, Kinder für jede Kleinigkeit halb grün und blau zu prügeln (jetzt 'mal bewusst übertrieben gesagt). Und eindeutige Misshandlungen von Kindern durch übertriebene Prügel verurteile ich selbst auf's Schärfste und würde da auch selbst jederzeit einschreiten, würde ich sowas mitbekommen!
      Mn muss eben den für sein eigenes, einzigartiges Kind perfekten Weg zwischen dem Erklären von Dingen mit Geduld und Gutmütigkeit und dem strengen aber tdm. liebevollen Erziehen mithilfe gelegentlicher "Hiebe hinten drauf" finden (wenn nichts anderes mehr hilft).
      Du hast zwar recht damit, dass ein Unterschied zwischen grün und blau prügeln und gelegentlicher "Hiebe hinten drauf" gibt, aber das ändert nichts daran, dass beides Gewalt ist. Für ein Kind dürfte es kaum einen Unterschied machen, ob Vater/Mutter ihm die Schläge mit liebevoller Absicht gegeben hat oder nicht, am Ende bleibt die Tatsache, dass die Eltern Gewalt eingesetzt haben um zu strafen.
      Warum sind für dich Schläge unbedingt nötig? Warum nicht den perfekten Weg zwischen dem Erklären von Dingen mit Geduld und Gutmütigkeit und dem strengen aber tdm. liebevollen Erziehen ohne gelegentlicher "Hiebe hinten drauf" finden?

      Anyarah schrieb:

      Und dass ich es befürworte, dass die "Prügelstrafe" (ich persönlich finde den Namen aber auch dchon relativ krass, da es nicht um Prügel, sondern um Strafen mit Hieben IN MAßEN gehen soll) in den Schulen wieder eingeführt wird (es muss ja auch nicht unbedingt zwangsläufig der Rohrstock sein), liegt einfach daran, dass ich leider Gottes schon oft genug mitbekommen habe, was sich die Lehrer heutzutage inzwischen alles gefallen lassen müssen. Und das finde ich absolut armselig und verurteilungswürdig.
      Ist doch genau das Gleiche, wie bei den Poliei-Beamten heutzutage... Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
      Ich habe selber genug mit Schülern zu tun, um bestätigen zu können, dass es genügend gibt, die sich unmöglich verhalten, und ich bin voll bei dir, wenn es darum geht dagegen etwas zu tun, aber warum müsen es unbedingt Schläge sein. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass alle Lehrer es bei Schlägen in Maßen (was auch immer man darunter genau versteht) belässt, it es auch hier wieder Gewalt und warum soll diese bei Kindern/Jugendlichen in Ordnung bzw. eine Lösung für Verhaltensprobleme sein, aber bei Erwachsenen nicht mehr?

      Anyarah schrieb:

      Wobei mam auch bedenken muss, dass Theorie und Praxis natürlich auch wieder zwei ganz verschiedene Par Schuhe sind.
      Tatsächlich würde ich wahrscheinlich meinem Kind (sobald ich denn eins habe) wirklich nur bei schlimmen, sich wiederholenden Sachen oder Fehl-Verhalten ein paar mit der flachen Hand hinten drauf geben. Wenig zum wirklich Weh Tun, als mehr zum Erschrecken, praktisch als Denk-Anstoß.
      Ich "durfte" ja am eigenen Leib entsprechende (traumatische?) Erfahrungen in meiner frühen Kindheit machen, weshalb ich wahrscheinlich ohnehin einiges an Überwindung bräuchte, mein Kind in der Praxis tatsächlich anzurühren.
      Wenn man sich schon überwinden muss um etwas zu tun, sollte man einmal darüber nachdenken, ob man gerade wirklich das richtige tut. Wenn mir im Affekt die Hand ausrutschtund mich anschließend dafür entschuldige ist das zwar nicht schön, aber soetwas kann passieren. Wenn ein Kind dabei ist auf die Straße zu rennen, um seinen Ball zu holen und ich es daher am Arm packe, übe ich in dem Moment auch Gewalt aus, aber nur um schlimmers zu verhindern. Aber Schlagen als bewusste Handlung um "einen Denkanstoß zu geben"? Ich bezweifele, dass man damit die erwünschten Gedankengänge erzielt.

      Ansonsten schließe ich mich @Robert an, der bei diesem Thema eindeutig bessere Beiträge schreibt als ich ;-).
    • Interessant. Ich werde mich mal als Moralapostel aufspielen und zurück zum Thema kommen.

      Mädchen/Junge Frauen mussten damals viel im Haushalt mithelfen, schlug man ihnen auf die Handflächen wurde ihnen mit jeder Tätigkeit die Schuld bewusst.

      Die Erziehung wurde hauptsächlich von den Frauen durchgeführt. Der Mann musste teileweise 12-14 Std. arbeiten. So war es für die jungen beschämender wenn die Hose vor einer Frau runter mussten und sie übers Knie gelegt wurden.
    • Zum Thema Erziehung ein Ausschnitt vom Text von Konstantin Weckers Lied "An meine Kinder":

      "Ihr kennt meine Kunst zu scheitern und perfekte Eltern konnten uns doch im besten Fall nur erheitern. Was hab ich falsch, was richtig gemacht? Ihr ward mir doch nur geliehen. Ich rede nicht gern um den heißen Brei, ihr wollte euch nie erziehen. Erziehen zu was? Zum Ehrgeiz, zur Gier, zum Chef im richtigen Lager? Ihr wisst es, ich hab ein großes Herz für Träumer und Versager."

      Mehr songtexte: www.songtextemania.com
      Alle Infos über Konstantin Wecker: www.musictory.de
    • stiefelfan schrieb:

      Interessant. Ich werde mich mal als Moralapostel aufspielen und zurück zum Thema kommen.

      Mädchen/Junge Frauen mussten damals viel im Haushalt mithelfen, schlug man ihnen auf die Handflächen wurde ihnen mit jeder Tätigkeit die Schuld bewusst.

      Die Erziehung wurde hauptsächlich von den Frauen durchgeführt. Der Mann musste teileweise 12-14 Std. arbeiten. So war es für die jungen beschämender wenn die Hose vor einer Frau runter mussten und sie übers Knie gelegt wurden.
      Gute Einsicht, aber klärt es doch nichts.

      Auf die empfindlichsten Handflächen kann man nur 1-2 Schläge verteilen. Die ordentliche Tracht Prügel, ob Ausklopfer oder Riemen, ist immer exklusiv für den Po/Oberschenkel reserviert.

      Bedeutet das, dass die Mädels ohne eine wirkliche körperliche Strafen erleben konnten?
    • Anyarah schrieb:

      ich meine, klar machen die Eltern als Vorbild verdammt viel aus. Und wenn die schon (gewollt) arbeitslos sind, den ganzen Tag saufen, sich mit verschiedensten Sachen zudröhnen etc., was will man dann von den Kindern erwarten?
      Nun … Anyarah ?!
      Kannst Du diese aufgestellte These auch etwas näher "untermauern" ?!
      Oder woher kommen Dir diese "Erkenntnisse" in Bezug auf "gewollt arbeitslos" lebende Menschen und Eltern?!
      Sicherlich gibt es Ausnahmen … aber eine solche pauschale Verallgemeinerung …. ????
    • Anyarah schrieb:

      Was meint ihr, wie sich die Schüler umgucken würden, wenn sie z.B. ein Messer mit in die Schule bringen, durchsucht werden, es gefunden wird und sie dann vor versammelter Klasse nach Strich und Faden den Hosenboden versohlt bekommen?
      Ist sicherlich ein schönes Wunschdenken von Dir … da bin ich voll bei Dir!
      Aber die Realität sieht doch wesentlich anders aus!!! … Meine Schwester ist Lehrerin … ihr ganzes Arbeitsleben lang … und dementsprechend kann ich in dieser "Materie" etwas mitreden.
      Das geht bei schlechten Noten …. schon mal extrem mit Morddrohungen gegen die Lehrer! … IN ECHT!
      Nun stell Dir mal dein Modell vor … in Bezug auf die Gegenreaktionen?!