Rohrstock - auf die Hände oder den Hintern?

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    Es gibt 50 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Christian.

    • Ich möchte nur noch mal eindringlich auf meinen Beitrag auf Seite 2 hier verweisen. Ich selbst bin ja Lehrer auch für 'Erziehungsschwierige'.

      Real sind körperliche Züchtigungen von Kindern immer Misshandlungen und Missbrauch mit fatalen Folgen. Wenn ich so etwas feststelle, rede ich mit den Eltern. Sollte das nichts bringen, muss ich von Amts wegen das Jugendamt einschalten. Dabei geht es natürlich erst mal darum, die Situation innerfamiliär zu lösen, bevor, wenn fruchtlos, weitere Schritte, ggf. rechtliche Schritte notwendig werden. Wir haben da in Deutschland eine gute Gesetzgebung, die umgesetzt werden muss. Dies unterstütze ich voll! Als früher Betroffener in den 60er Jahren weiß ich, wovon ich spreche. Sowohl was 'Tazen' angeht, wie auch Züchtigungen in der Schule und im Elternhaus.

      Richtig ist aber auch, dass es sich häuft, dass es unzulässige Einwirkungen auf Erzieher*innen und Lehrkräfte gibt. Richtig ist ebenso, dass Erziehung auch bedeutet, Grenzen zu setzen. Auch nachdrücklich! Vielfach wird heute auch über dissoziales Verhalten einfach hinweg gesehen, was fatale Folgen für die Betroffenen und deren Umwelt hat. Hier bin ich durchaus für mehr Konsequenz.

      Ganz anders ist es in einem Spiel unter Erwachsenen. Die, die mich hier auch 'praktisch' kennen, wissen dass ich sowohl Aktiv wie Passiv kein Kind von Traurigkeit bin. Hier ist in der Fantasie alles erlaubt, ohne irgendwelche Tabus. Real gilt SSC! So poste ich auch Zeichnungen und Geschichten, die manchem zu 'hart' sind. Es ist aber aben nur Fantasie und NIEMAND wird real geschädigt. So kann es jemandem gefallen oder eben nicht. Meine Fantasien sind eben auch mal 'strenger' als es sich andere gern ansehen. Eben Fantasie. So what? Dabei geht es aber auch nur um den persönlichen Geschmack. Niemand, der Krimis guckt ist ja auch ein Mörder. Trotzdem kann es fazinieren.
      Well, I was born to have adventure..... (Zappa)
    • "Wie weit ist eine Gesellschaft schon unterwegs … "
      wenn man so alt ist wie ich, dann hat man den Vorteil, die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse ziemlich gut einordnen zu können. Geld verdirbt den Charakter. Wir (ich nehme mich nicht aus) sind es gewohnt, an andere Forderungen zu stellen. Schließlich zahlen wir Steuern, schließlich sind wir die bestausgebildete Generation ever, was wir uns schon seit den Siebzigern einreden. Also haben Lehrer, Lokführer, Krankenschwestern, Ärzte im Krankenhaus, Migranten in de einfachen Dienstleistungsberufen und so weiter zu funktionieren. Und wenn wir dann ein Kind haben, dann müssen die Bedingungen vom Kindergarten bis zur Uni bestmöglich sein, denn das Wunderkind steht ja später im Wettbewerb mit den Chinesen. Hilfreich ist da etwas Information über die Erziehungsphilosophie in den fernöstlichen Ländern. Ein Blick in die Pisa-Ergebnisse (die man nichtsdestoweniger auch kritisch sehen kann) hilft weiter.
      Fazit: Mehr Qualität könnte uns nicht schaden. Wieweit strenge Erziehung dazu hilft will ich nicht beurteilen. Aus dem eigenen Umfeld sehe ich einen Wahn zum ständigen Amusement. "Wieviel Events haben wir diese Woche?"
    • Robert schrieb:

      Real sind körperliche Züchtigungen von Kindern immer Misshandlungen und Missbrauch mit fatalen Folgen
      Aber warum wurde es historisch so breit benutzt? Sogar in den relativ progressiven 50-60er.

      Oder die meisten Eltern/Lehrer, im Gegensatz zur sogenannten "schwarzen Pädagogik", haben die Prugel als Erziehungsmittel immer vermieden?
    • HenriqueMarie schrieb:

      Aber warum wurde es historisch so breit benutzt? Sogar in den relativ progressiven 50-60er.

      Hallo HenriqueMarie (ein selten schöner Name finde ich.... :winken: ),
      Warum wurden Kinder in der Vergangenheit gezüchtigt? Zunächst war das Bild von Kindern in der Gesellschaft früher ein ganz anderes. Kinder waren 'da' und wurden nicht besonders beachtet, vielfach schnell sich selbst überlassen und alsbald in den Arbeitsprozess eingeliedert. KInder wurden z.B. im Mittelalter überwiegend als 'Sachen' angesehen. Es gab keinen gezielten, besonderern Umgang mit Kindern. Sie wurden also wie kleine Erwachsene behandelt. Sie waren zwar die 'Zukunft' und Altersversicherung, aber auch erst mal Belastung und unproduktive Esser. Als solche unterlagen sie entsprechender Einwirkung. Da sie nicht so 'hören' und verstehen konten, wie Erwachsene, wurde also, wie auch bei manchen Erwachsenenstrafen üblich, mit körperlichen Zurechtweisungen/Züchtigungen) erzogen. Körperliche 'Züchtigungen', aber auch psychische Gewalt, wenn sie als Schmerzstimulus für ein Vermeidungsverhalten genutzt werden, hinterlassen Ohnmachts- und Trasumatisierungserfahrungen, das Gefühl des Ausgeliefertseins, Schuldgefühle, Scham etc. Einsicht erfolgt eigentlich nicht. Also gibt es nur ein Vermeidungsverhalten. Näheres im Fim (Link Das Weiße Band) Die direkte, eindringliche Wirkung einer Züchtigung ab Min 8 und wieder ab Min 23. Der ganze Film hat aber die Gewalt und ihre Auswirkungen zum Thema (1913). Es geht also um den ganzen Film!



      Jean Jacques Rousseau war einer der ersten, die eine andere Erziehung für Kinder und Jugendliche in der Aufklärung propagierten (Emilé). Somit wurde eigentlich von da an über Pädagogik gestritten und es begann eine Diskussion darüber Pestalozzi, Herbart etc., später die Reformpädagogik). Die autoiritären Strukturen änderten sich aber nicht. Körperliche Gewalt führt ja aber zu einer, wenn auch durch Schmerzangst erzeugte Verhaltensänderung durch Vermeiden und nicht durch Einsicht. In einer aufgekärten, demokratischen, friedlichen, menschlichen Gesellschaft hat dies aber keinen Platz und kann nicht Mittel einer Erziehung sein. Dass Erziehung aber auch nicht laissez-faire bedeutet, habe ich an andereren Stellen hier schon erläutert. Es geht also hier erst mal um die Wirkung der schwarzen Pädagogik, die also wirkt und traumatisiert, wie jede unfreiwillige Gewalterfahrung/Vergewaltigung.



      Als Zeitzeuge der 50/60er-Jahre kann ich sagen, dass diese in weiten Teilen der Bevölkerung mehr als reaktionär und rückwärts gewandt waren. Befreiungsversuche werden in den Filmen Ku'damm 56 und Ku'damm 59 sehr unterhaltsam und eindringlich dargestellt (leider kenne ich keine freie Quelle für die Filme). Ein generelles, breites gesellschaftliches Umdenken, begann erst im Rahmen der 68er. Ich bin als Kind noch in Schule und Elternhaus mit dem Rohrstock gezüchtigt worden. Etwa ein Viertel der Elternhäuser benutzen diesen oder ähnliches. Es war also nicht unüblich. Ohrfeigen und Klapse waren sicher noch häufiger. Progressiv waren die 50/60er also weitestgehend nicht, sondern eine Zeit des ganz langsamen Aufwachens.




      Oder die meisten Eltern/Lehrer, im Gegensatz zur sogenannten "schwarzen Pädagogik", haben die Prugel als Erziehungsmittel immer vermieden?
      Nein, körperliche Zurechtweisungen waren weit verbreitet und auch akzeptiert. So habe ich von einer Lehrerin Schläge mit einem Lineal erhalten, weil ich zu einem Mitschüler in der Pause 'jetzt haben wir Unterricht bei Frau XY, der alten Sau' gesagt hatte. Das hat er gepetzt und die ganze Klasse hatte es gehört. Reagieren musste sie also. Die Schläge wurden auf meine nackten Beine (kurze Lederhose) nicht alllzu fest appliziert. Es war auszuhalten und ich habe sie damals auch verstanden und bin ihr heute nicht böse. Sie hat, wie damals üblich, reagiert. Nicht in der Art und Wirkung, wie sie im 'Weißen Band' dargestellt wird. Es ging auch nicht um Schmerzstimulus und Vermeidungsverhalten, sondern um Respekt. Der ja heute noch wichtig und durchzusetzen ist. Heute reagiere ich als Pädagoge ja auch noch auf Respektlosigkeiten. Durchaus nachdrücklich, aber eben ohne physische Gewalt. Physische Gewalt ist eben im Kleinen wie im großen (Atombombe) keine Lösung. Deshalb ist jede physische und übermäßig psychische Gewalt zurecht verboten. Erziehung, Regeln und Wertevermittlung aber erlaubt und notwendig. Leider zu oft vernachlässigt!
      Well, I was born to have adventure..... (Zappa)
    • Robert schrieb:

      Es gab keinen gezielten, besonderern Umgang mit Kindern. Sie wurden also wie kleine Erwachsene behandelt.
      Oft wiederholt, aber etwas zweifelhaft. Schon Pythagoras verstand den Aufwachsen Prozess und seine spezifischen Phasen.

      So habe ich von einer Lehrerin Schläge mit einem Lineal erhalten, weil ich zu einem Mitschüler in der Pause 'jetzt haben wir Unterricht bei Frau XY, der alten Sau' gesagt hatte
      Es war keine Respektlosigkeit, nur die normale Weltanschauung eines Kleinkindes, komplett mit ihren Übertreibungen und Vereinfachungen. Vergeht das auch mit den Jahren. :D

      Ich bin als Kind noch in Schule und Elternhaus mit dem Rohrstock gezüchtigt worden. Etwa ein Viertel der Elternhäuser benutzen diesen oder ähnliches.

      Stellten die Eltern die spezielle Regeln auf, wann und wie der Rohrstock benutzt werden konnte (im Vergleich zu anderen Strafen, z. B. Hausarbeit, frühere Bettzeit)? Gab es einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von HenriqueMarie ()

    • Wie oft bin ich d` accord mit dir, @Robert,bis auf diese eine Stelle:

      Deshalb ist jede physische und übermäßig psychische Gewalt zurecht verboten. (dein Zitat)

      JEGLICHE psychische Gewalt ist verboten. Leider ist Diese noch viel schwerer nachzuweisen als körperliche Gewalt, und hat oft noch schwerwiegendere Folgen für Menschen, die sie erleben.


      Vor Kurzem sah ich übrigens auf einem deutschen Sender eine Sendung über Gewalt gegenüber Kindern, und war schockiert über die Zahlen der Kinder, die jährlich an Misshandlungen sterben....es wurde u.A. die Arbeit der Jugendämter genau geschildert, und auch, wie sie überforderte Eltern unterstützen, doch mit leider zu wenig Zeit und Personal.
    • Liebe Neugierige,
      Erziehung von Kindern mit Liebe und einem konsistenten Erziehungsverhalten ist notwendig. Kinder brauchen auch Regeln und moralische Grundsätze. Dass dies zu großen Teilen auch positiv geschehen kann und muss, steht außer Frage. Ebenso Ist psychische Grausamkeit ggf. schlimmer als physische. Im 'weißen Band' geht es z.B. um den Vogel des Pfarrersohnes. Kein Wunder, dass Menschen nach solchen Erlebnissen als Opfer ihre Persönlichkeit abspalten und gefühllos, selbst zu Tätern werden (können).
      Aber ist eine Zurechtweisung, ein Tadel oder z.B. Hausarrest keine psychische Gewalt? Die von mir gelobte konfrontative Pädagogik für dissoziale und delinquente Jugendliche, hat als Werkzeug z.B. das 'Genauern'. Hierbei wird, ggf. bei Unterschreitung der Sozialdistanz dem 'Täter' durch intensive, hartnäckige Befragung und Konfrontation mit seinem Verhalten und dessen Folgen eigentlich nur der Weg der Anerkenntnis seines Unrechts gelassen, dass er im Grunde selbst schon kennt.
      Gewalt Ist somit ggf. ein legitimes und notwendiges Mittel der Erziehung.
      Während physische Gewalt aus den schon dargelegten Gründen abzulehnen ist, wird man psychische Gewalt automatisch ausüben.Dajer rührt die Einschränkung 'unangemessen'.
      :böser Blick:
      Well, I was born to have adventure..... (Zappa)
    • Robert schrieb:

      Aber ist eine Zurechtweisung, ein Tadel oder z.B. Hausarrest keine psychische Gewalt?
      Eine Zurechtweisung muss dies nicht sein; da kommt es für mich auf die Art und Weise an.
      Hausarrest ist für mich wie fast jede Strafe psychische Gewalt, und wie ich bereits in anderen Themen verlauten ließ, halte ich nichts von solchen Methoden. Wie ich ebenso in anderen Themen sagte, lehne ich sowohl Strafen als auch Belohnungen im Übermaß ab, weil sie 1.) zu einer Konditionierung führen, und 2.) ich sie als psychische Gewalt empfinde.
      Mein Weg ist Diplomatie und Feingefühl, anstatt demonstrativer Machtausübung. Ich bin der Meinung, wenn man Kindern Liebe gegenüberbringt, kommt Respekt und gutes Gesprächsklima ganz von selbst. Und wenn nicht, müssen eben alle Seiten daran arbeiten.
      Strafen werden doch oft nur deshalb ausgesprochen, weil es für Eltern einfacher und weniger zeitaufwendig ist, oder sie sich anders nicht zu helfen wissen.

      Robert schrieb:

      Die von mir gelobte konfrontative Pädagogik für dissoziale und delinquente Jugendliche, hat als Werkzeug z.B. das 'Genauern'. Hierbei wird, ggf. bei Unterschreitung der Sozialdistanz dem 'Täter' durch intensive, hartnäckige Befragung und Konfrontation mit seinem Verhalten und dessen Folgen eigentlich nur der Weg der Anerkenntnis seines Unrechts gelassen, dass er im Grunde selbst schon kennt.
      Das mag bei manchen Personen vielleicht hilfreich sein, bei Anderen wiederum führt es wahrscheinlich zu noch mehr Aggression oder Rückzug, vermute ich.
      Ich habe einmal vor Jahren eine stationäre Psychotherapie gemacht, und dort fanden die Gruppensitzungen unter der Methode der "Konfrontativen Psychoanalyse" statt, womit ich überhaupt nichts anfangen konnte. Unter solchen Voraussetzungen kann ich keine Vertrauen und keine Sicherheit entwickeln, und mich deshalb auch weder öffnen noch an mir arbeiten.


      Robert schrieb:

      Gewalt Ist somit ggf. ein legitimes und notwendiges Mittel der Erziehung.
      Während physische Gewalt aus den schon dargelegten Gründen abzulehnen ist, wird man psychische Gewalt automatisch ausüben.Dajer rührt die Einschränkung 'unangemessen'.
      Da bin ich ganz anderer Meinung. Ich übe sicherlich niemals psychische Gewalt auf Irgendjemanden aus, schon gar nicht auf Kinder.

      Es sind auch andere Wege möglich, wenn man sich bemüht.
      Und psychische Gewalt ist für mich immer unangemessen.