Rohrstock - auf die Hände oder den Hintern?

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    Es gibt 79 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von roland_1952.

    • Oh ja, das würde mich auch mal interessieren, wie das damals war. Ich bin ja in einem Alter, in dem sowas in der Schule undenkbar war. Was war da eigentlich schmerzhafter, die Hiebe, die es auf die Handfläche gab oder die Hiebe auf den Hosenboden? Gab es da eigentlich unterschiedliche Rohrstöcke, also z.b. einen dünneren, kürzeren für die Tatzen und einen etwas massiveren für die Hiebe auf das Gesäß? Wer hat da eigentlich deftiger den Hintern versohlt - Lehrerinnen oder Lehrer?

      Wäre nett, wenn jemand, der das noch selbst erlebt hat, ein paar Infos dalassen könnte.
    • Ich bin auch zu jung für einen Erfahrungsbericht,

      carolin89 schrieb:

      Gab es da eigentlich unterschiedliche Rohrstöcke, also z.b. einen dünneren, kürzeren für die Tatzen und einen etwas massiveren für die Hiebe auf das Gesäß?

      Nach einem Besuch im Schulmuseum kann man mehr wissen ............

      Liste von Schulmuseen


      carolin89 schrieb:

      Was war da eigentlich schmerzhafter, die Hiebe, die es auf die Handfläche gab oder die Hiebe auf den Hosenboden?

      Wenn man es ganz genau wissen möchte ............... einfach mal ausprobieren kann eine gute Idee sein.


      Falls ich erzogen werde, ist meine Antwort auf die Eingangsfrage dieses Threads:
      Rohrstock - Natürlich auf die Hände und den Hintern!

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von buerschchen ()

    • Tja, mal eine Antwort on topic auf on topic Fragen.....
      Die Anwendung körperlicher Züchtigungen war in meiner Schulzeit bis etwa 14 Jahren abhängig vom Lehrer. Am schlimmsten waren Züchtigungen durch den Rektor (Volksschule) 8n seinem Zimmer, wo, wohl im Einverständnis mit den Eltern, die Hosen für den Rohrstock herunter gelassen werden mussten. In der Klasse gab es, wir waren eine katholische Volksschule, den Rohrstock auf die stramm gezogene Hose. Tatzen gab es auch. Der Stock dafür war dünner und kürzer. Für das Wegziehen, was als feige verpönt war, gab es einen Hieb extra. Die Handinnenfläche musste vorgestreckt und am Handgelenk gehalten werden. Die Hiebe wurden gut durchgezogen und taten höllisch weh. Schmerzreaktionen waren auf Dauer nicht zu vermeiden. Auch wer weinte, musste dennoch hinhalten.
      Ich kann mich z.B. noch an eine Szene erinnern:
      Wir hatten das Fach 'Schönschrift' und mit dem Schönschreibfüller schrieb ich einen Text in der Sütterlinschrift. Ich saß hinten.
      Der Rektor schlug meinem Mitschüler Wolfgang immer abwechselnd durch die Hände. Er hatte wohl als Polizistensohn eine der damals neu eingeführten Notrufsäulen zum Spaß ausgelöst. Der Rektor wollte von ihm ein Geständnis erhalten. Er wurde immer wieder gefragt, ob er die Tat begangen habe. Auch bekam er unter den fortwährenden, abwechselnden Hieben Vorhaltungen, warum Fehlarlame die Sicherheit gefährdeten und unnütze Arbeit machen. Wolfgang sagte nichts oder nein und musste dann wieder eine Hand hinhalten, um den nächsten zwiebelnden Rohrstockhieb zu erhalten. Er war sehr tapfer, lediglich ein paar Tränen kullerten ihm die Wangen herunter. Ich wagte mich nicht zu mucken und schrieb weiter in Schönschrift. Die Szene beobachtete ich lediglich aus den Augenwinkeln. Wolfgang hat die Tat dann wohl nach einer großen Anzahl von strengen Hieben zugegeben. Ich fand die Situation damals befremdlich und einschüchternd. Wolfgangs Tapferkeit habe ich bewundert und fand sie vorbildlich.
      Well, I was born to have adventure..... (Zappa)
    • Eine kleine Bemerkung vorab: Normalerweise bin ich ja ein 'Foren-Berserker' der sich jeden Thread komplett durchliest bevor er was schreibt. Aber heute nicht. Es kann also sein, dass ich (versehentlich) etwas wiederhole, was auf S. 3-6 schon geschrieben wurde...

      Zur Sache: Auch kenne das folgende Muster aus verschiedenen Berichten (von 'Nicht-Zeitzeugen'):
      In der Schule stets den (Rohr-)Stock, für Buben aufs Gesäß, für Mädels auf die Hände. Manchmal wird präzisiert 'Handflächen' bzw. 'Handrücken', manchmal angeblich Finger!

      Meine Großmutter berichtete mir aber folgendes: Mit dem Stock den Jungen häufig "auf den Hosenboden". Den Mädchen eh nur selten, aber wenn, dann "auf den Rücken". Und nur 4-5 Hiebe statt 6-8 (10) Hieben. Gelegentlich auf die Hände. Müsste dann ein sehr dünner Stock gewesen sein.
      Zu Hause bekamen es dann Jungen wie Mädchen bedenkenlos mit dem Kochlöffel, Gürtel usw. auf den nackten Hintern.

      Die 'medizinische' Begründung würde mich tatsächlich mal interessieren.
      Ansonsten denke ich,dass pragmatische Überlegungen wie sie von 'Oldtapir' auf S. 1 dargelegt wurden, mindestens einer der wichtigeren Gründe waren: Zuviel Kleiderschichten die entweder die Schläge dämpfen, oder halt runtermüssen, und das wäre schon seltsam gewesen. Stichwort 'Sittlichkeit'.

      Wir müssen natürlich bedenken, dass die 'Zeitzeugen' die noch leben, sich überwiegend auf Deutschland im mittleren (frühen?) 20. Jahrhundert beziehen. Der 'Bildungsföderalismus' ist keine Erfindung der Bundesrepublik, also dürften die Schulrechte und die Regelungen zur körperlichen Züchtigung schon damals regional unterschiedlich gewesen sein.

      Was das 'warum' angeht, so hat man sich ja seit dem frühen 19. Jh. gerne auf 'Sittlichkeit' und 'Galanterie' also m.o.w. auf den Schutz des 'schwachen Geschlechts' herausgeredet, und in dieser Zeit verschwanden Rutenbündel und Haselgerte und deren Anwendung auf nacktgemachte Oberschenkel, Rücken, Hinterbacken aus den mittel- und westeuropäischen Schulen. Über Kanada und die USA, oder Russland, Südeuropa* weiß ich da nichts... Und da ein (Edel-)Mann ja eine Frau nicht schlägt.....
      In der Nachkriegszeit sollen überwiegend die Jungen noch geschlagen worden sein, dann aber oft ins Gesicht - führt zu weit vom Thema weg.

      Inwieweit nun textliche und bildliche Darstellungen des 18. Jhs. die die Verwendung von Ruten, Gerten und Rohrstöcken auf blanken Hintern in gemischten Schulklassen darstellen, realitätsnah sind, weiß ich nicht. Zumindest in der Zeit davor scheint man sich kaum Gedanken darüber gemacht zu haben, wohl v.A. deshalb, weil es vom Mittelalter bis zum 17./18. Jh. kaum gemischt-geschlechtliche Klassen gab. Man nehme ein paar Bilder von Adriaen Brouwer als Beispiel.

      *Wobei man für die Nachfolge- (z.B. Griechenland) und Anrainerstaaten des Osmanischen Reiches (z.B. Persien) noch Stockhiebe auf die Fußsohlen bedenken muss - dann aber auch in 'Jungenschulen'.
      Wer sich für Zeitzeugenberichte, historisches Bildmaterial etc. interessiert, dem möchte ich - wenn es erlaubt ist - corpun.com empfehlen. Da gibt es mehr zum Thema.
    • Mir sind ein paar Dinge eingefallen, einiges davon wurde vorher bloß angedeutet:

      1) Da wir ja schon von der unterschiedlichen Behandlung der Geschlechter sprachen, ergibt sich ja schon das Problem, dass die einen nur den RS auf den Handflächen, die anderen nur auf dem Hosenboden kennengelernt haben. Von den wenigen Fällen abgesehen, in denen (zumindest Jungen) auf beide Arten bestraft wurden, dürfte also von vornherein jede Vergleichbarkeit fehlen.
      Und selbst dann ist noch die Frage offen, ob nicht eher die 'kleinen Untaten' mit Schlägen auf die Hände geahndet wurden, und nur die 'großen' mit Schlägen aufs Gesäß, also zumindest zahlenmäßig mehr, und ggf. auch härter.
      Vielleicht haben wir ja ein paar Zeitzeugen hier die das - also beide Strafarten - noch selbst erlebt haben, und zwar auch von derselben Person. Es scheint mir zumindest sinnvoll, dass man den Hintern länger und kräftiger mit dem RS bearbeiten kann als die Handflächen - jedenfalls wenn man Grundlagen von Verantwortung hat - sodass es zumindest einer der Gründe für die o.g. 'Geschlechtertrennung' sein dürfte, dass man den 'von Natur aus wilderen Buben' lieber etwas mehr verabreichen könne als den Mädels.

      2) Hier noch ein paar Besonderheiten:
      a) Ich meine, einmal gelesen zu haben, dass in verschiedene Mädschenschulen (19./20. Jh.?) aus dünne "Lederriemen"/"Lederbändchen" - wurde dort aber nicht näher erklärt - auf dem Handrücken angewandt wurden.
      b) Mit der Tawse (ja, anderes Thema... ;) !) wurde meines Wissens zunächst auch auf den Handflächen geschlagen, und zwar v.A. bei Jumngen. Das scheint jedenfalls in Kanada so gewesenzu sein. In England scheint es zumindest einzelne Fälle gegeben zu haben (Zeitzeugin) in denen dieses Gerät (inerhalb von Mädchenschulen, bzw. einer besonderen Anstalt für 'harte Fälle') auf dünn behosten oder entblößten Hinterbacken verwendet wurde. Leider weiß ich die Quelle nicht mehr, evtl. war es etwas das man auch via archive.org findet...
      Eine Tawse ist zwar kein RS, aber es scheint sehr deutlich zu sein, dass beide ja v.A. dazu da waren, um auch 'bekleidete' Flächen zu 'durchdringen'. (So kamen zumindest Haselgerte und [Birken-]Rutenbündel aus der Mode, da sie auf der bloßen Haut besser wirken. S.o.)

      3) Um noch mal auf "1)" Bezug zu nehmen, fällt mir ein, dass Zeitzeugen zwar hilfreich sein könnten in dieser Sache (also Schmerzgrad Hände/Hintern, und vor Allem dafür, ob es in der Schule auch so praktiziert wurde dass beide Körperstellen bei der selben Person dran waren] und nebenbei auchfür die Frage: "Waren die männlichen oder die weiblichen Lehrkräfte 'heftiger' unterwegs?"), aber nicht zwingend notwendig sind. Anders gesagt: Wer hat es denn schon mal ausprobiert, mit dem RS die jeweils gleiche Anzahl Schläge auf die Hände und den Hintern zu erhalten, und das bei gleicher Intensität? ;)
      Das könnte weiterhelfen, obwohl wir auch dann noch nicht wissen, wie genau das Schmerzempfeinden bei unterschiedlichen Menschen ausfällt. :rolleyes:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jerolimbusch () aus folgendem Grund: Erklärungen, Genauigkeit.

    • Oh, viele Fragen auf einmal. Als "Zeitzeuge" habe ich in Erinnerung, daß vieles spontan ablief, und daß es sehr vom Lehrertyp und von der besonderen Beziehung zwischen diesem Lehrer und dem Schüler abhing. Vermutlich gab es aus dem Kultusministerium Richtlinien über die Anwendung der körperlichen Züchtigung, aber die waren mit Sicherheit nicht soweit ins Detail gehend, wie sich das Mancher heute vorstellen mag.
      Ich habe die richtig ziehenden Schläge mit dem Rohrstock vor allem von einer jüngeren Lehrerin erlebt, andererseits hatte diese Frau mich öfters positiv hervorgehoben, etwa beim Gedicht aufsagen oder beim Vorlesen. Sie hatte mich also nicht "auf dem kieker".
      Unter den anderen Lehrern, ich spreche von meiner Erfahrung in der Volksschule (1. bis 4. Klasse) war der eine lauter und vielleicht etwas unbeherrschter, aber im Grunde nicht auf Züchtigungen aus, der andere ging vielleicht planvoller vor, sammelte Punkte, bis dann das Maß voll war.
      Pauschal gesagt, was sich mancher heute vielleicht vorstellen mag, ein lustvolles Ritual zelebriert, das habe ich nicht in Erinnerung. Schläge auf den Hintern (wir Buben nannten sie "Überg'legte") kamen eben vor. Ich hatte Mitschüler, die aus ärmlichsten Verhältnissen kamen, in Flüchtlingssiedlungen (Nissenhütten) am Stadtrand lebten und nach der Schulzeit Brennholz sammeln mußten. Die waren oft die Geschlagenen, waren es aber von Zuhause auch am ehesten gewöhnt.
    • hartmuti schrieb:

      Ich habe die richtig ziehenden Schläge mit dem Rohrstock vor allem von einer jüngeren Lehrerin erlebt, andererseits hatte diese Frau mich öfters positiv hervorgehoben, etwa beim Gedicht aufsagen oder beim Vorlesen. Sie hatte mich also nicht "auf dem kieker".
      @hartmuti: Hat die Lehrerin dann beim Versohlen festere Hiebe verabreicht oder eine größere Anzahl? Empfandest Du dass eigentlich noch peinlicher, wenn es von einer Lehrerin verabreicht wurde, als wenn es ein Lehrer gemacht hat?